Am Abend des 27. Septembers besichtigte ich zusammen mit einem englischen Pärchen aus London die heiligste Stätte für Schiiten in Iran, das Imam-Reza Heiligtum. Kameras sind verboten, doch Bilder mit dem Handy sind erlaubt, und davon wird auch häufig Gebrauch gemacht. Bei Sonnenuntergang, wenn die Gläubigen zu Tausenden zu den Gebetsteppichen strömen, ist dieser Ort besonders beeindruckend. Das Heiligtum ist gigantisch gross, ca. einen Kilometer im Durchmesser und besteht aus zahlreichen Innenhöfen, in denen man sich leicht verirren kann. Es gibt Bereiche die für Nicht-Muslime gesperrt sein sollen, doch wir wissen nicht welche das sind und niemand scheint uns aufhalten zu wollen. Besonders amüsant finde ich als eine Gruppe von hundert Frauen oder mehr sehr eilig zu den Teppichen "rennt" um das Gebet nicht zu verpassen. Die zu tausenden wenn nicht gar zu zehntausenden betenden Gläubigen verbreiten eine ganz besondere, mächtige und ehrfurchtvolle Stimmung.
Am 25. September mache ich in einem Restaurant in Ashgabat Bekanntschaft mit Alex und Renat. Sie sind sehr nett und wollen mich auf ein Bier einladen, was ich jedoch ablehne. Renat ist Kameramann und filmt Hochzeiten. Auf dem Weg nach Ashgabat habe ich mindestens ein Duzend davon gesehen. Alex ist Tartare aus Kashan (Russland) und arbeitet in einem Computerladen. Anhand seinen blonden Haaren merkt man sofort dass er nicht gebürtiger Turkmene ist. Ich bin froh als Abschluss eine gute Erfahrung gemacht zu haben, wobei die Ausreise aus Turkmenistan ja leider wieder eine negative Erfahrung werden wird...
Am 26. September ist es dann endlich soweit. Ich fahre in den Iran! Man be Iran miram. Darauf warte ich schon sooooo lange und freue mich entsprechend darauf, zudem die Zeit in Usbekistan und Turkmenistan irgendwie anstrengend und leider immer wieder gepraegt von nicht so tollen Erlebnissen war. Wahrscheinlich habe ich einfach nur Pech gehabt. Doch bis ich die iranische Grenze erreiche, werde ich noch reichlich abgezockt. Das Taxi bis zu dem ersten Checkpoint kostet 20$. Von dort, muss man einen Shuttlebus nehmen, der durch Niemandsland in das ca. 25km weit entfernte Badjiran faehrt. Der Preis sollte eigentlich wenige Dollar betragen, doch als Tourist werde ich kraeftig ausgenommen. Der erste will ueber 20$ haben, doch ich sage nein und fliege sofort aus dem Bus. Die Fahrer sind nicht sehr freundlich, und die Passagiere sind nicht weniger unfreundlich, ganz zu schweigen dass man von ihnen Hilfe erwarten kann. Letztendlich gelingt es mir fuer $15 mitzufahren, der Grenzbeamte hilft mir da noch ein wenig. Aber irgendwie habe ich sowas von die Schnautze voll, insbesondere auf die Passagiere des Busses und ignoriere sie fortan. Und dann bin ich auch schon im "Gelobten Land" Iran. Hier ist erst mal alles zweisprachig (also auch Englisch) und vorallem alles gut durchorganisiert und die einzelnen Stationen sind mit Nummern versehen. Es geht recht schnell bis ich durch die Kontrolle bin. Und einen Taxifahrer nach Mashad finde ich auch recht schnell, vielleicht zu schnell. Fuer die drei bis vier Stunden nach Mashad will er $55 haben, das ist ein angemessener Preis. Was mir nicht so passt ist, dass er sich dann wie selbstverstaendlich zum Essen einladen laesst. Das Essen ist... einfach nur koestlich. Kheily khoshmaze bud. Trotzdem bin ich sauer, dass ich fuer ihn zahlen muss und beschliesse es von den $55 abzuziehen. Als er mir dann spaeter ein Eis und eine Cola kauft, werde ich wieder weich. Ich nenne ihm ein Hotel zu dem er mich bringen soll, Hotel Pars, doch er bringt mich zu einem sehr teueren Hotel namens Hotel ParsMashad, ich habe das Gefuehl das er sich davon nochmal eine gewisse Provision verspricht. Dann will er mich nicht zu meinem Hotel fahren, doch ich bleibe hart und bestehe darauf und sage nicht zu als er nochmal dafuer mehr Geld haben will. Da er das Hotel nicht findet, bringt er mich zu Vali's Non-smoking Homestay. Und dafuer bin ich ihm im Nachhinein dankbar, denn es ist eine sehr gute Location. Ich lasse mich dann trotzdem noch zu dem nicht weit entfernt liegenden Hotel Pars bringen, und gebe ihm $45 und 10 Tuman (ca. 8$). Er will natuerlich mehr, aber mehr bekommt er nicht. Dafuer bekomme ich noch ein paar unschoene Worte hinterher geschmissen, aber das stoert mich nicht. Das Hotel Pars gefaellt mir nicht so sehr, darum laufe ich zurueck zum Homestay, finde es aber nicht gleich, bis mich ein Mann, Ali - ein Freund von Vali, auf dem Motorad anspricht und mich auf seinem Motorad zum Homestay bringt. Hier werde ich mich die naechste Tage ausruhen von all den Strapazen der letzten Tage.
Am Morgen des 24. Septembers mache ich mich auf nach Turkmenistan. Chris begleitet mich noch bis zu dem Bazar von wo aus die Marschrutkas Richtung Grenze fahren. Dann heisst es Abschied nehmen, zum zweiten und letzten Mal. Es ist schon fast Mittag als ich die turkmenische Grenze erreiche. Dort warten hunderte von Usbeken oder Turkmenen, wie Vieh hinter Gittern eingesperrt, auf die Ausreise nach Turkmenistan. Als Tourist darf ich einfach rechts daran vorbeilaufen und werde auch sonst ueberall durchgewunken. Zwischen usbekischer und turkmenischer Grenze sind es ca. 20 Minuten zu Fuss durch die Wueste in der prallen Mittagssonne. Am Strassenrand sammelt sich der Muell, der wahrscheinlich von den hier entlangfahrenden oder stehenden LKWs stammt. An einem turkmenischen Vorposten werde ich von den Beamten eingeladen mit ihnen Brot zu essen. Dann geht es weiter in einem Minibus zu der eigentlichen "Grenze", ein netter Turkmene bezahlt fuer mich, da ich noch keine Manat (turkmensiche Waehrung) besitze. Da gerade Mittagspause ist, muessen wir hier fuer knapp zwei Stunden warten. Es herrscht schreckliches Gedraenge und viele Leute streiten sich wer als erster rein darf usw. Keine besonders tolle Erfahrung. Irgendwie schaffe ich es dann doch recht zuegig mich reinzudraengen, zahle $12 Entry Tax und fuelle noch ein Formular aus, das ich nicht verstehe und schon bin ich in Turkmenistan. Fuer $5 fahre ich mit einem Taxi nach Turkmenabad. Eine Frau und ein Mann die beide miteinander verwandt sind und das "Taxi" fahren, Schmuggeln Zigaretten. Sie haben relativ viel Geld und dennoch versuchen sie mich abzuzocken, sogar ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben. In Turkmenabad geht es dann mit einem kleinen Van bis nach Mary. Es sind einige nette Leute mit an Bord. Ein sehr glaeubiger Mann, ein Paerchen, der Fahrer der mich an George Clooney errinnert und staendig nuschelt da er Taback kaut, ein junger Mann und schliesslich noch der Beifahrer, der kaum noch Zaehne hat. Die Leute haben eine Menge Spass im Auto. Da das Hotel dass ich mir ausgesucht hatte nicht mehr existiert, bringt der Fahrer mich zusammen mit dem Paerchen und dem Beifahrer zu einer "Uebernachtungsmoeglichkeit". Wie sich spaeter herausstellt, ein inoffizielles, sich noch im Bau befindenden Stundenhotels, direkt neben dem Bahnhof. Im Zimmer stinkt es nach Urin und die Toiletten will man nicht gesehen haben. Doch schlimmer geht immer. Zusammen mit den Leuten gehen wir was essen, trinken einen Liter Vodka (ich trink immer nur paar Schlueckchen, so dass ich nicht betrunken werde), bis die Frau des Mannes der im Auto neben mir sass nach draussen geht und wenige Minuten spaeter mit einer jungen Frau zurueckkommt. Es scheint so, als ob sie alle der am Tisch sitzenden kennen. Ich denke zuerst dass es ihre Tochter ist. Aber letztendlich ist es eine Prostituierte - ihr Vater ist tot, ihre Mutter fuer 25 Jahre im Knast und auch sonst hat sie keine Verwandte mehr. Jetzt merke ich dass die Leute die mit mir im Auto sassen und mit mir gegessen haben ziemlich komische Leute sind, zum einen haben sie sich selbst wie selbstverstaendlich zu dem Essen eingeladen, d.h. ich durfte die Rechnung zahlen, zum anderen moechte ich gar nicht wissen was sie mit der Prostituierten gemacht haben. Schlafen kann ich in dem Raum auch nicht, denn staendig laufen Leute auf dem Gang auf und ab und in meinem Raum wimmelt es nur so von Muecken und besonders gut riechen tut es auch nicht. Am naechsten Morgen breche ich frueh auf und versuche ein anderes Hotel zu finden, doch das ist in Mary nicht leicht. Das erste Hotel existiert gar nicht mehr, ein weiteres ist bereits belegt und das letzte einfach zu teuer. Darum beschliesse ich nicht laenger hier zu bleiben und die alte Ruinenstadt Merv auszulassen und direkt nach Ashgabat zu fahren. An dem Bahnhof fuer Shared-Taxis werde ich fast in Stuecke gerissen, jeder greift einen Arm oder ein sonstiges Koerperteil und will mich in seine Richtung zu seinem Auto schleifen. Am Ende hab ich eine gute Wahl getroffen, der Taxi-Fahrer ist zwar ein Heizer wie kein zweiter - es gibt kein Auto das er nicht ueberholt, und auf der Strecke faehrt er bestimmt 160 wo andere vielleicht 100 fahren - aber wenn man es ueberlebt ist man in 4-5 Stunden in Ashgabat. Leider existieren auch hier die meissten Hotel aus meinem Reisefuehrer nicht mehr, weshalb ich letztendlich in einem relativ teueren Hotel eine Nacht verbringe. Auch ist es nicht leicht hier irgendetwas zum Essen zu finden. Am Abend mache ich noch Bekanntschafft mit Renat und Alex, zwei netten jungen Maennern die sehr gut Englisch sprechen und meine bisherigen eher negativen Erfahrungen in Turkmenistan ein wenig aufbessern. Dann bin ich froh mich endlich schlafen legen zu koennen denn ich bin ziemlich muede.
Unser Gaestehaus liegt mitten in der Altstadt, direkt gegenueber einer Synagoge. Das Fruehstueck im Gaestehaus ist nicht besonders gut, davon wird man kaum satt, und dann sagt man uns nicht mal dass wir eigentlich fuer den Kaffee zahlen sollten, was wir natuerlich nicht tun. Es ist schoen hier, aber nicht berauschend.
Am 22. September brechen wir (Rita, Mohammad, Chris und ich) auf nach Shahrisabz, der Geburtsstadt von Timur Tamerlane. Die Stadt ist ueberlaufen von usbekischen Touristen und auch viele Hochzeiten finden hier statt. Christopher und ich schauen uns einige Stunden lang die Stadt an, unsere Rucksaecke lassen wir in einem Restaurant, denn wir wollen hier nicht ueber Nacht bleiben. Nach einem Schaschlik und einem Laghman machen wir uns schliesslich gestaerkt auf den Weg nach Karshi und von dort weiter mit einem Shared Taxi bis nach Buchara.
Da ich auf Christopher warte, bin ich ganze 3 Naechte hier in Samarkand. Zusammen mit Mohammad und Rita ist es aber nicht langweilig. Wirklich wohlfuehlen tue ich mich jedoch nicht, zu touristisch ist es hier.
Zusammen mit Rita besuche ich den grossen Bazar, der jeden Dienstag und Samstag ca. 20km ausserhalb von Samarkand stattfindet. Die Fahrt dorthin dauert ziemlich lang, da die Strasse ziemlich schlecht ist. Hier gibt es alles zu kaufen was das Herz begehrt!
Heute ist Samstag und da morgen mein Visum ablaeuft will ich heute gerne noch nach Uzbekistan einreisen. Daher schnappe ich mein Gepaeck und will nur noch schnell den beruehmten Panjanbe Bazar ("Donnerstagsmarkt") erkunden, es dauert dann aber doch laenger als erwartet. Hier beginnt der Orient. Es errinnert mich ein wenig an Osh, das ja auch nicht weit entfernt liegt. Die Leute hier sehen viel "asiatischer" aus als noch in Duschanbe oder gar im Pamir. Besonders auffaellig ist das bei den Frauen wie ich finde, bei den Maennern nicht so sehr.
Nachdem ich auf dem grossen Platz zwischen dem Bazar und der grossen Mosche von einem Englisch-sprechenden Mann angesprochen werde, der in Duschanbe Englisch studiert hat und jetzt als Lehrer in Chudschand arbeitet, soll ich seinen Verwandten per Handy irgendetwas auf Deutsch erzaehlen, die mich natuerlich nicht verstehen sondern nur lachen. Er laedt mich dann noch ein mit ihm nach Kanibadom zu kommen, wo seine Verwandten gerade mit der Baumwollernte beschaeftigt sind. Ich muss leider ablehnen. Dann tausche ich noch 210 Somoni in 100 uzbekische 1000 Som Scheine und fuelle damit meine Geldbeutel und meine Hosentaschen! Und fahre schliesslich mit Marschrutka 55 zu der Schuntschuk Aral Busstation. Doch nichts deutet auf eine Haltestelle fuer Sammeltaxis hin, bis ich ein wenig herumsuche. Doch heute fahren hier wohl keine Taxis mehr, dafuer bin ich zu spaet dran.Ich versuesse mir die Zeit mit Eis solange ich noch Hoffnung habe und auf ein Taxi nach Oybek warte. Nach einer Stunde jedoch gebe ich auf und fahre zurueck in die Stadt und mache mich auf die Suche nach dem Gaestehaus von Dilbar Jalilova, dass nahe dem Teehaus Azizon liegt. Dort angekommen ruhe ich mich erstmal bei einem Chai aus und entspanne einige Stunden. Zwischendurch kommen zwei Gaeste aus Leipzig an, Elke und Stefan. Das Gaestehaus liegt sehr schoen in einem alten Stadtteil von Chudschand, unmittelbar neben einer kleinen Mosche.Es errinnert mich auf den ersten Blick ein wenig an Yazd in Iran, da zum Teil die Waender der Haeuser auch aus Lehm sind. Abends dann mache ich mich hungrig wie ich bin auf die Suche nach dem Restaurant Sajtun. Auf dem Weg dorthin, unweit des Gaestehauses, begegne ich zwei aelteren Maennern die ein Sofa durch die Strasse tragen um es auf das Dach ihres Autos zu packen. Ich biete ihnen meine Hilfe an. Ein anderer Mann, Hassan-Hussein, spricht mich daraufhin herzlich an und wir unterhalten uns so gut es geht auf tadschikisch. Als ich das Restaurant Sajtun erreiche, entscheide ich mich jedoch fuer eines der vielen nebenan liegenden Strassenlokale, da ich gerne draussen sitzen moechte. Hier sitzen viele lokale Leute, also kann es nicht schlecht sein. Ich esse eine Suppe, mit einem aufgrund der schlechten Lichtverhaeltnisse etwas undefinierbaren Fleischklopps. Vielleicht will ich es auch gar nicht sehen. Ein wenig unbehaglich ist mir dennoch dabei. Dann wird mir noch ein Kebab-Spiess gebracht, den ich gar nicht bestellt hatte. Ich wollte der Bedienung auf tadschikisch erklaeren, dass ich nach der Suppe und dem Salat etwas bestellen moechte. Aber sie dachte wohl ich rede auf russisch oder sie konnte selber kein tadschikisch. Dann gesellen sich noch zwei junge Maenner mit an meinen Tisch. Der eine geht los und kommt kurze Zeit darauf mit einer kleinen "Wasserflasche" wieder, die jedoch nur einige Zentimeter hoch gefuellt ist.Natuerlich mit Vodka wie sich herausstellt. Sie sind Brueder, der eine wohl bei der Polizei, der andere LKW-Fahrer. Der Polizist meint noch als ich mich verabschiede, ich solle aufpassen dass mich hier in den dunklen Strassen niemand "absticht". Dann tiegere ich durch die dunklen, menschenleeren Gassen, mit dem Gedanken spielend, was ich wohl tun wuerde wenn ploetzlich jemand mit einem langen Messer vor mir stehen wuerde. Wahrscheinlich wuerde ich einfach davon laufen, oder ihm meinen Geldbeuten mit vielleich 30 Dollar vor die Fuesse werfen. Dass ich seit einigen Tagen einen vierstelligen Dollarbetrag an meinem Bein mit mir herum trage wuerden sie bestimmt nicht bemerken. Als ich die Mosche erreiche fuehle ich mich wirklich sicher, ohne mich wirklich jemals unsicher gefuehlt zu haben.Donnerstag abend verbringe ich mit Berdi, dem Sohn von Alti Berdimuradoff, dem Vize-Direktor des Naturreservates und Klassenkamerad des Praesidenten. Sein bester Kumpel ist auch mit dabei. Beide sind Zahnaerzte. Wir essen im tuerkischen Restaurant Merve, schliesslich ist Berdi Turkmene. Berdi spricht ein bisschen deutsch und will gerne wieder nach Deutschland um sich weiterzubilden. Ich schenke ihm mein Tadschikisch Wort-fuer-Wort Buechlein und einige Bilder von seinem Vater und seiner Familie. Er gibt mir zudem einige Kontakte in Turkmenistan von seinen Verwandten dort. Einer seiner Onkel soll wohl auch Energieminister in Turkmenistan sein.